Künstlermanagement und Administration von Konzertveranstaltungen

DIE STADT BLEIBT SELBSTGEMACHT

Ein Zeitungsartikel von Susanne Messmer (TAZ, 08.11.2018)

"Direkt neben dem neuen Haus der TAZ hat nun auch das letzte Gebäude des Kunst- und Kreativquartiers am ehemaligen Blumengroßmarkt eröffnet: Das Frizz23. Diese Planung kann jetzt Realität werden Foto: Frizz23 Nun hat also auch das letzte Gebäude im Kunst- und Kreativquartier am ehemaligen Blumengroßmarkt in Kreuzberg seine Pforten geöffnet: das Frizz23 – das womöglich sprödeste Haus mit seinen silbrig schwarzen Fassaden gleich neben dem neuen Domizil der taz.

Architektin Britta Jürgens steht am Donnerstag hinterm Haus und erklärt, wie es zur Fassade kam. Das verbrannte Holz: eine der ökologischsten Methoden, Holz robuster zu machen. Dazu das nachtblaue Aluminium: Es erinnert an die Sternwarte, die bis 1913 an diesem Ort zwischen Friedrichstraße und Jüdischem Museum stand. "In dieser Sternwarte wurde der Neptun entdeckt, der blaue Planet", sagt Jürgens und strahlt.

Es ist genau das richtige Wetter für einen ersten Rundgang durchs Frizz23 am Donnerstagvormittag: letzte neongelbe Blätter hier und da, ein sehr bewegter Himmel. Der Charme des Hauses erschließt sich auch von drinnen erst auf den zweiten Blick, dann aber schlagend. Geradezu ehrfürchtig wirken die Gesichter der erschienenen Journalisten, als Konzertpianist Pietro Massa in sein Studio bittet, in dem er auch wohnt: der Flügel, der Sichtbeton, die großen Fenster, der weite, urbane Blick. Nebenan gibt es aber auch sehr viel bescheidenere, funktionalere Kemenaten, in denen noch die wenigsten ihrer Nutzer eingezogen sind.

Das Frizz23 ist die erste Gewerbebaugruppe Berlins. Es beherbergt neben einem Hotel und einem Teil des Forums Berufsbildung, das nach wie vor seinen Hauptsitz in der Charlottenstraße behält, insgesamt 46 unterschiedlich große Ateliers, Studios und Büroräume. Schriftsteller, Musiker, Redakteure, Werbeagenten und Werkstattbetreiber haben hier Räume erworben – all jene Kreativen also, die zunehmend Probleme haben, sich überhaupt noch in der Innenstadt zu halten.

MASSA KONZERTMANAGEMENT IN DER BERLINER CITY

Ein Artikel von Ralf Schönball (Der Tagesspiegel, 21.11.2017)

"Der Steinway-Flügel, den Konzertpianist Pietro Massa den Berliner Philharmonikern abgekauft hat, kommt mitten rein in sein neues Loft auf der Friedrichstrasse. Den großten Teil der 120 Quadratmeter, die er gegenüber vom Jüdischen Museum beziehen wird, wird zum Büro seiner Agentur Massa Konzertmanagement GmbH. Wohnen will Pietro an der südlichen Friedrichstraße auch. Aber auf kleinem Raum. Mehr ist auch nicht erlaubt. Denn das Projekt "Frizz23" muss vor allem eins bieten: Produktionsflächen für Kreative aus der pulsierenden Szene.

Denn mit diesem Konzept hat die Genossenschaft vor wenigen Tagen den Zuschlag bekommen für das 2.400 Quadratmeter große Grundstück in einer spektakulären Vergabeentscheidung. Denn die 2,4 Millionen Euro, die Berlin von der Genossenschaft erhält, waren nicht der maximal mögliche Ertrag für die Landeskassen. Eine halbe Million Euro mehr hätte der Höchstbietende überwiesen. Doch der Grundstücksverkäufer, die landeseigene "Berliner Großmarkt", entschied sich gegen den Entwickler eines - gefühlt - hunderten Blocks mit hippen Luxusappartements - und zugunsten des alternativen Konzeptes.

Frizz Nun müssen sie Ernst machen, die Überlebenskünstler, die aus den Brachen, Ruinen und Nischen der Stadt den Mythos der unfertigen Metropole erzeugt haben: Matthew Griffin, der Kanadier, der seit 22 Jahren in Berlin lebt und mit seiner Frau Britta Jürgens schon in der Friedrichstadt ein Architekturbüro mit angeschlossenem Gästehaus errichtet hat, die "Minilofts". Ein weiteres Stück dieser von Berlins Bewohnern "selbst gemachten Stadt", wie er sagt, soll nun an der Friedrichstraße entstehen: Schriftsteller, Maler, Grafiker, Designer, die raus aus dem Haushalt mit den wuselnden Kindern müssen und Ruhe für ihre Arbeit brauchen, sind als Genossen beigetreten.

Jahrelang haben die Entwickler dafür reden, schreiben, überzeugen müssen - weil beim zuvor gelaufnenen "Diskursiven Verfahren" wirklich jeder seine Meinungen und Bedenken äußern konnte: Aus dem Kiez, der Politik und der Kreativszene. Vielleicht wird diese Grundstücksvergabe, bei der nicht der Preis, sondern das Konzept den Ausschlag gab, deshalb zum Musterbeispiel für das lang ersehnte und politisch beschlossene "Neue Liegenschaftskonzept" des Senats.

Auch eine Dachterrasse ist geplant und eine kleine Markthalle sowie ein Café im Erdgeschoss des Quartiers. Und wenn der Besselpark erst einmal angelegt ist, entsteht hier ein schönes neues Stück altes Kreuzberg".